Abwrackprämie: Segen oder Fluch für die Freien Werkstätten

Abwrackprämie - Mehr Neuwagen verkauf

Der Motor für den Konsumkreislauf in einem Land ist die dortige Schlüsselindustrie. In Deutschland gibt es keinen Zweifel daran, dass die Automobilindustrie mit all ihren nachgelagerten Industriezweigen diese Position einnimmt. Durch die Coronakrise wurde diese Branche in den vergangenen Monaten extrem belastet. Die Zahlen sprechen Bände und lassen den Druck auf Politik und Gesellschaft ansteigen. Allein im April dieses Jahres ist im Vergleich zum Vorjahresmonat die Zahl der Pkw-Neuzulassungen um 85 % in ganz Europa gesunken. In Deutschland brach die Produktion um 97 % ein. Die Folgen für Zulieferer, Chemiebetriebe und Werkzeug- bzw. Maschinenbauer sind dementsprechend. Denn wenn eine ganze Branche zusammenbricht betrifft dies viele einzelne Unternehmen und somit einen ganzen Umsatzkreislauf. Sind auch die Freien Werkstätten von diesem Kreislauf unmittelbar betroffen?

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Was ist in den aktuellen Diskussionen mit der Abwrack- oder auch Autoprämie gemeint?

Nun, mit einem Satz kann man diese Frage nicht beantworten. Durch die umfangreichen Fördermaßnahmen der Regierung in den letzten Wochen, haben viele Unternehmenszweige die Folgen des Lockdowns zumindest etwas abfedern können. Durch die Bereitstellung einer Abwrackprämie für Fahrzeuge verspricht man sich ein Ankurbeln der Investitionsbereitschaft und ein Weiterlaufen des gesamten Wirtschaftssystems. Hauptziel dabei ist, den Fall in die Rezession abzuwenden. In Zeiten von schweren Krisen geht der Konsum und auch die Investitionsbereitschaft bekanntlich dramatisch zurück. Die Menschen wägen viele Kaufentscheidungen deutlich mehr ab und konzentrieren sich darauf, sich selbst finanziell abzusichern und Geld auf Seite zu legen. Je größer die Anschaffungssumme umso geringer die Wahrscheinlichkeit auf einen Abschluss. Dies betrifft nachfolgend alle Bereiche und kann ein Kollabieren der Wirtschaft zur Folge haben.

Eine Kauf- oder Abwrackprämie für Autos wird helfen sagen die einen, andere betrachten die Verteilung als ausschlaggebend und ein weiterer Teil ist sogar komplett gegen diese Form von Förderung. Vorstellen kann man sich die Autoprämie in etwa so wie die 2009 von der damaligen Bundesregierung beschlossenen Abwrackprämie. Damals wurde ein Gesetz beschlossen, was jedem für sein altes Fahrzeug einen festen Betrag von 2500,- Euro zugesichert hat, wenn es der Verschrottung zugefügt wurde. Mit der aktuellen Diskussion geht es um eine Förderung der Neuwagenzulassungen. Und genau dieser Vorschlag sorgt in der Branche, bei Verbänden und Wirtschaftsexperten für unterschiedliche Reaktionen.

Der DGB gehört zu den Befürwortern und beharrt nahezu auf einer Abwrackprämie. Sie soll allerdings übergreifend eingesetzt werden. Das heißt, dass auch bei emissionsarmen Verbrennern gefördert wird und nicht nur, wie von Teilen der Politik angedacht, Fahrzeuge mit alternativen Antrieben. Freie Werkstätten kommen in der aktuellen öffentlichen Diskussion kaum vor.

Wird überhaupt an die Freien Werkstätten gedacht?

Jeder weiß, dass bei Neuwagenzulassungen die meisten Reparatur- und Instandhaltungsleistungen über Jahre wegfallen oder nur sehr geringfügig zum Einsatz kommen. Im Fall von Garantieansprüchen bei Neuwagen haben Freie Werkstätten das Nachsehen. Die Statistik zeigt: Halter von Neuwagen lassen, trotz GVO-Regelung, Wartungen und Reparaturen überdurchschnittlich häufig von Vertragswerkstätten durchführen. Auch wenn der Halter die freie Wahl hat zeigen die Erfahrungen, dass Fahrzeughersteller Kulanzleistungen häufig verweigern, wenn das Auto vorher in Freien Werkstätten gewartet und repariert wurde. Natürlich werden Neuwagen Checkheft-gepflegt und sorgsamer behandelt als Fahrzeuge mit 10 Jahren auf dem Chassie. Wir reden hier allerdings von einer Negativspirale. Mit der Förderung von Neuwagen fallen im schlimmsten Fall eine Menge an reparaturbedürftigen Fahrzeugen weg – sie werden schlichtweg aus dem Verkehr und damit auch von der Hebebühne gezogen. Waren die Freien Werkstätten in der noch immer laufenden Coronakrise bislang noch einigermaßen gut aufgestellt, könnte mit dem Förderprogramm für eine allgemeine Neuwagenzulassung ein Negativ-Kreislauf einsetzen, bei der die Freien Werkstätten am Ende verlieren. Und zwar an Aufträgen und somit an dem nötigen Tagesgeschäft.

Entscheidung naht

Die Diskussion steht schon länger im Raum. Mit den allgemeinen Fördermaßnahmen hat man gesehen, wie schnell man richtig oder auch falsch agieren kann. In Kürze wird es eine Entscheidung über das weitere Vorgehen geben. Objektiv betrachtet gibt es natürlich Gründe, die für eine Fördermaßnahme sprechen – allerdings mindestens ebenso viele die dagegensprechen. Positiv wäre, dass alte Diesel und Benziner schneller aus dem Verkehr gezogen würden und alternative Antriebe weiterverbreitet würden. Ein echtes Plus für die Umwelt. Dagegen sprechen die Erfahrungen aus der letzten Abwrackprämie und die Verzerrung in anderen Branchen und Unternehmen. Die langsam hochfahrende Automobilbranche und alle angeschlossenen Branchen wie Teilehersteller, Zulieferer, Logistikbetriebe etc. würden zeitnah von der geplanten Maßnahme profitieren. In gleichem Zuge würde der Aftermarket unter der „Flut von Neuwagen“ leiden.

Für die Freien Werkstätten wird die nahende Entscheidung unserer Meinung richtungweisend für die kommenden Monate und Jahre sein. Generell lässt sich an Neuwagen im Aftermarket weniger Umsatz generieren. Wichtig wird auch die Tatsache sein, ob es nur eine Prämie für die Neuanschaffung eines Fahrzeuges gibt, wenn gleichzeitig das Alte der Verschrottung zugeführt wird. Wie sich die Entscheidung zu Gunsten einer Schlüsselindustrie auf den freien Markt auswirkt, bleibt abzuwarten. Wir werden in den kommenden Wochen über dieses Thema berichten – schicken Sie uns gerne Ihre Meinungen und Einschätzungen, die wir nach Prüfung an dieser Stelle veröffentlichen: kontakt@qualitaet-ist-mehrwert.de