Mehrwertsteuersenkung – Regeln, Pflichten – Vor- und Nachteile

MwSt. Senkung

Die Corona-Krise beschert Deutschland ein nie dagewesenes Konjunkturpaket. Mit Milliarden von Euros soll die deutsche Wirtschaft stabilisiert und der Konsum angeregt werden. Dafür nimmt der Staat eine beträchtliche Summe neuer Schulden in Kauf. Oberste Priorität sei es, jetzt den Konsum anzukurbeln, damit der Motor des Landes – die Wirtschaft – wieder anspringt. Ist das erstmal geschehen, will der Staat mit den dann sprudelnden Einnahmen die neuen Schulden tilgen.

Von mittelständischen Verbänden hört man sehr unterschiedliche Einschätzungen zu den verabschiedeten Maßnahmen. Aktuell heiß diskutiert: Die Mehrwertsteuersenkung. Allein diese soll den Steuerzahler 20 Milliarden Euro kosten.
Zum 1.07.2020 tritt diese in Kraft und soll vor allem die Investitionsbereitschaft der Kunden erhöhen.

Was halten Sie als Werkstatt von der Mehrwertsteuersenkung?

  • Die Mehrwertsteuer bedeutet für uns nur einen bürokratischen Aufwand und bringt gar nichts. (49%)
  • Aufwand und Nutzen halten sich im Rahmen – es wird keine relevanten Auswirkungen auf unser Geschäft geben. (41%)
  • Ich glaube, dass Kunden mehr größere Reparaturen durchführen lassen und die Mehrwertsteuersenkung einen positiven Effekt auf unser Geschäft hat. (10%)

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Die Mehrwertsteuer wird vom 1.07.2020 bis 31.12.2020 um einige Prozentpunkte gesenkt:
Die reguläre Mehrwertsteuer fällt von 19% auf 16%, die ermäßigte Mehrwertsteuer, die für Güter des täglichen Bedarfs gilt, fällt von 7% auf 5%.

Die Regierung erhofft sich mit diesem Schritt den Konsum der Verbraucher anzukurbeln. Dies gilt im Wesentlichen für höherpreisige Güter, bzw. Investitionsgüter wie Autos, Möbel, Technik oder auch Renovierungen oder andere kostspielige Dienstleistungen, wie z.B. aufwendigere Fahrzeug-Reparaturen.

Grundsätzlich betrifft die Mehrwertsteuersenkung alle Verbraucher und alle Unternehmen. Verbraucher bezahlen theoretisch für alle Produkte und Dienstleistungen den gekürzten Prozentsatz weniger. Warum theoretisch? Weil beispielsweise Bäcker kaum die Minimal-Ersparnis an den Kunden weitergeben werden. Schließlich handelt es sich bei Backwaren um Cent-Beträge.
Unternehmen, die nur gewerblich agieren, betrifft die Mehrwertsteuersenkung nur im dahintersteckenden Aufwand. Dadurch, dass die Mehrwertsteuer im gewerblichen Bereich ein durchlaufender Posten ist, sorgt diese Maßnahme nicht für einen Investitionsanreiz bei Unternehmen.

Die klare Antwort ist nein. Sie können als Unternehmer frei entscheiden, ob Sie Ihre Preise für Ihre Kunden anpassen, oder die 3% Mehrwertsteuerersparnis für Ihren Betrieb einbehalten. Auch die Entscheidung, ob Sie Ihren Kunden mitteilen, ob Sie die Steuersenkung weitergeben oder nicht, ist vollkommen Ihnen überlassen. 

Grundsätzlich müssen sowohl Preisauszeichnungen, als auch vor allem das Kassensystem entsprechend angepasst werden. Allerdings gibt es eine Billigkeitsregelung bei der Preisauszeichnung. Das bedeutet, dass sie auch pauschale Rabatte an der Kasse gewähren können, ohne dass alle Preise über Nacht neu ausgezeichnet werden müssen.
Achtung: Auf der Rechnung bzw. den Kassenbons MUSS aber zwingend der korrekte Steuersatz ausgewiesen werden.

Wenn auf einer Rechnung nach dem 1. Juli ein Mehrwertsteuersatz von 19% ausgewiesen wird, ist zu beachten, dass dann zwingend auch die erhöhten Mehrwertsteuerbeträge an das Finanzamt abgeführt werden müssen. Wenn Sie als Unternehmen eine Rechnung mit 19% Mehrwertsteuer nach dem 1. Juli bekommen, können Sie den voll ausgewiesenen Umsatzsteuerbetrag beim Finanzamt geltend machen, sofern dieser von dem anderen Unternehmen in gleicher Höhe gemeldet wurde.

Wenn auf einer Rechnung nach dem 1. Juli ein Mehrwertsteuersatz von 19% ausgewiesen wird, ist zu beachten, dass dann zwingend auch die erhöhten Mehrwertsteuerbeträge an das Finanzamt abgeführt werden müssen. Wenn Sie als Unternehmen eine Rechnung mit 19% Mehrwertsteuer nach dem 1. Juli bekommen, können Sie den voll ausgewiesenen Umsatzsteuerbetrag beim Finanzamt geltend machen, sofern dieser von dem anderen Unternehmen in gleicher Höhe gemeldet wurde.

Häufige Fragen zur Mehrwertsteuersenkung

Wann wird welcher Mehrwertsteuersatz fällig? Wie sieht es aus mit Aufträgen vor dem 1. Juli und Ausführung oder Lieferung nach dem 1. Juli?

Der gültige Mehrwertsteuersatz hängt von dem Zeitpunkt der Lieferung ab. Wurden also Waren oder Dienstleistungen in der ersten Jahreshälfte bestellt – ein neues Auto beispielsweise – aber zwischen dem 1. Juli und dem 31. Dezember 2020 geliefert, wird der reduzierte Satz fällig.
Das bedeutet aber auch: Werden jetzt Leistungen beauftragt, die erst 2020 erbracht werden, wird der reguläre Mehrwertsteuersatz von 19% fällig.
Als Zeitpunkt der Lieferung gilt im übrigen der Zeitpunkt, an dem die Warenbeförderung an den Kunden beginnt. Das bedeutet: Wenn am 30.06. der Versand einer Lieferung startet, die Lieferung dann aber im Juli eintrifft, ist der Mehrwertsteuersatz von 19% korrekt.

Wie sieht es mit Fahrzeug-Reparaturen aus, die im Juni begonnen und im Juli vollendet wurden?

Der gültige Mehrwertsteuersatz hängt von dem Zeitpunkt ab, an dem die Leistung vollendet wurde. D.h. „zieht sich“ die Reparatur in den Juli, kann mit 16% Mehrwertsteuer abgerechnet werden. Wurde die Reparatur im Juni abgeschlossen und nur die Rechnung wird im Juli versendet, gilt noch der reguläre Mehrwertsteuersatz von 19%. Diese Regelung gilt im Übrigen auch für Teilleistungen.

Wie sieht es aus, wenn vor dem 1. Juli 2020 Anzahlungen für Leistungen erbracht wurden, die erst in der zweiten Jahreshälfte durchgeführt werden?

Wurden die Anzahlungen korrekterweise mit 19% Mehrwertsteuer berechnet, muss diese in der Schlussrechnung sowie in der Umsatzsteuer-Voranmeldung für den Zeitraum in dem die Leistung erbracht wurde, korrigiert werden.

Wie sieht die Situation bei bestehenden Verträgen, z.B. Mietverträgen oder Wartungsverträgen aus?

Die Verträge sollten auf den Steuersatz hin überprüft werden, da der Vertrag unter Umständen als Rechnung gilt. Wichtig ist die Prüfung, ob es im Vertrag um Brutto- oder Netto-Preise geht.

Wie sieht die Situation aus mit vor dem 1. Juli geschriebenen Angeboten?

Sie haben in Ihrer Werkstatt Ihrem Kunden ein Angebot auf Basis von 19% Mehrwertsteuer gemacht? Ist diese korrekt auf dem Angebot aufgeführt, verringern sich im Falle des Auftrages die Kosten für den Kunden um die entsprechenden Prozentpunkte.

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