Bild zur Elektromobilität - Ladekabel steckt

Aufschwung mit Abschwung?

Im internationalen Vergleich gilt Deutschland nach wie vor als „Elektroauto-Entwicklungsland“. Doch der Marktanteil der Stromer wächst beständig. Und auch die KFZ-Branche geht von einem weiteren E-Auto-Wachstum aus. Laut einer Studie des ZDK und BBE Automotive GmbH rechnen rund 80 Prozent der freien KFZ-Werkstätten und Autohäuser in Deutschland mit einer weiterhin wachsenden Bedeutung der Elektromobilität – die schon jetzt direkte Auswirkungen auf das Werkstattgeschäft hat. Doch wie sehen diese Auswirkungen konkret aus? Wir haben die wichtigsten zusammengefasst.

Werkstattumsatz und Arbeitsvolumen

Die Technik von Elektroautos ist mit ihren vergleichsweise einfachen Elektromotoren insgesamt deutlich simpler und wartungsärmer als die von konventionellen PKW mit Verbrennungsmotor. Experten rechnen deshalb zwar mit einem abnehmenden Arbeitsvolumen in den Werkstätten und mit einem sinkenden Werkstattumsatz. Aktuellen Studien zufolge wird dieser allerdings deutlich schwächer ausfallen als vielfach befürchtet: KFZ-Werkstätten können demnach das reduzierte Arbeitsvolumen weitgehend kompensieren – wenn sie die Elektromobilität als Chance verstehen und sich auf die einschneidenden Veränderungen auf dem KFZ-Markt einstellen.

Arbeitsumfänge

Weil bei einem reinen Elektroauto, also dem „batterieelektrischen Auto“ (Battery Electric Vehicle = BEV), alle verbrennungsmotorischen Bauteile und der mechanische Antriebsstrang entfallen, fallen auch die dazugehörigen Wartungs- und Reparaturarbeiten weg. Bei Plugin-Hybrid-PKW sieht die Sache anders aus. Bei den zahlenmäßig deutlich stärker verbreiteten Stromern gibt es nur geringe Unterschiede. Bei der Wartung ergeben sich durch die höhere technische Komplexität des Hybrid-Systems nur minimale Unterschiede gegenüber Benzin-Fahrzeugen. Gegenüber Diesel-Fahrzeugen sind die Wartungsaufwände sogar höher.

Grafik zu Wartungs- und ReparaturumfängenZudem rechnen Experten mit einem um ein Drittel reduzierten Bremsenverschleiß (Bremsbeläge und -scheiben) durch Energie-Rekuperation der E-Autos. Allerdings kommen etwa mit der Kontrolle der Leistungselektronik, dem Austausch der Trocknerpatrone für die Batterie und ggf. dem Austausch von Kühlmittel in Kühlkreisläufen neue Arbeiten auf die Werkstätten zu

Arbeitssicherheit

Die Arbeit an elektrifizierten PKW unterscheidet sich deutlich von der Arbeit an konventionell angetriebenen Autos. Um an Hochvolt-Systemen mit 400 Volt und mehr arbeiten zu dürfen, müssen Werkstätten verschiedene Anforderungen erfüllen. Vor allem der Mitarbeiter-Weiterbildung kommt eine hohe Bedeutung zu.

Mitarbeiter-Qualifizierung

So stellt Manfred Wiemer vom Heinz-Piest-Institut für Handwerkstechnik klar: „Der klassische Kfz-Mechatroniker, der nicht eingewiesen worden ist, darf an einem Elektrofahrzeug nicht einmal einen Radwechsel vornehmen. Das wissen auch viele Betriebsinhaber nicht. Sie brauchen also eine entsprechend ausgewiesene Fachkraft. Diese ist verantwortlich für die Gefährdungsbeurteilung und die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften.“ Mit entsprechend geschulten Mitarbeitern können KFZ-Werkstätten also schon einen großen Schritt Richtung Zukunft machen!

Qualifizierungsstufen

KFZ-Unternehmer und -Vorgesetzte müssen ihre Mitarbeiter für den Umgang mit einer Spannung von mehr als 25V AC oder 60V DC speziell unterweisen: Im Rahmen spezieller Lehrgänge können Mitarbeiter für das fachgerechte und sichere Arbeiten an Fahrzeugen mit Hochvolt-Systemen und deren Komponenten qualifiziert werden.

Für die Arbeit an Hochvolt-Fahrzeugen werden mehrere Qualifizierungsstufen unterschieden:

  1. Nicht-elektrotechnische Arbeiten: Die Mitarbeiter müssen auf die fahrzeugspezifischen Eigenschaften der Hochvolt-Fahrzeuge hingewiesen und mit dem bestimmungsgemäßen Gebrauch vertraut gemacht werden. Diese Mitarbeiter dürfen keine Arbeiten am Hochvoltsystem oder Arbeiten in der Nähe von Hochvolt-Komponenten durchführen, wenn diese dabei beschädigt werden können.
  2. Elektrotechnische Arbeiten: Damit Werkstatt-Mitarbeiter Spannungsfreiheit an Hochvolt-Fahrzeugen herstellen und elektrotechnische Arbeiten im spannungsfreien Zustand durchführen können, werden erweiterte Kenntnisse vorausgesetzt.
  3. Elektrotechnische Arbeiten unter Spannung: Mit der Qualifizierung zum Arbeiten an Hochvoltsystemes können alle elektrotechnischen Arbeiten am Fahrzeug durchgeführt werden.

Werkstatt-Ausstattung

Um an elektrifizierten PKW arbeiten zu können, ergeben sich auch Anforderungen an die technische Ausstattung der Werkstätten. Unternehmer kommen an Investitionen also nicht vorbei. Manfred Wiemer: „Bereits mit Investitionskosten im niedrigen fünfstelligen Bereich kann ein Werkstattplatz für entsprechende Reparaturen ausgerüstet werden.“ Das „Schaufenster Elektomobilität“, eine Initiative der Bundesregierung, beziffert die (einmaligen) Investitionskosten zur Durchführung von Wartungs- und Reparaturarbeiten an Elektrofahrzeugen auf 10.100 Euro in der Basisvariante für eine Arbeitsplatz. Hiemer: „Benötigt werden hierzu neben der sicherheitstechnischen Ausrüstung sowie speziellen Werkzeugen eine Ladestation und gegebenenfalls eine Hubvorrichtung zum Austauschen des Batteriepacks.“