Werkstatt-Stammtisch zur Kalibrierung von Fahrerassistenzsystemen (ADAS) Sicherheit, Technik und Kommunikation im Fokus

Werkstattmitarbeiter am Laptop, lächelnd, mit Fokus auf digitale Lösungen für freie Werkstätten, im Kontext der Initiative Qualität ist Mehrwert.

Am 28. Oktober 2025 trafen sich Werkstattinhaber, Pressevertreter, die Handwerkskammer sowie Teilehersteller Herth + Buss zum Werkstatt-Stammtisch. Gastgeberin Kristiane Guth (Qualität ist Mehrwert) moderierte den Austausch rund um ein zentrales Thema der modernen Fahrzeugreparatur: die Kalibrierung von Fahrerassistenzsystemen (ADAS).

ADAS – mehr als ein Technikthema

Moderne Fahrerassistenzsysteme wie Notbremsassistent, Spurhalteassistent oder Verkehrszeichenerkennung sind ab April 2024 für alle neu zugelassenen Fahrzeuge Pflicht. Ihre fehlerfreie Funktion hängt entscheidend von der korrekten Kalibrierung ab – etwa nach Achsvermessung, Steuergerätewechsel oder Unfällen. Dabei wurde deutlich: Eine fehlerhafte Kalibrierung kann lebensgefährlich sein – bereits ein Grad Abweichung kann den Bremsweg um bis zu 35 Meter verlängern.

Herausforderungen für freie Werkstätten

Ein zentrales Diskussionsthema war die praktische Umsetzung im Werkstattalltag. Die Anschaffungskosten für professionelle Kalibrierungssysteme liegen bei rund 25.000 Euro. Die Teilnehmer berichteten von Kooperationsmodellen mit spezialisierten Dienstleistern oder Kollegen. Kombisysteme für Achsvermessung und Kalibrierung gelten als wirtschaftlich sinnvoll.

Transparente Kommunikation als Erfolgsfaktor

Einigkeit herrschte darüber, dass die Kalibrierung konsequent nach Herstellervorgaben erfolgen und verständlich gegenüber Kunden kommuniziert werden muss. Argumente wie Sicherheit, Vernetzung und technische Komplexität sollten klar und nachvollziehbar vermittelt werden. Wichtig ist auch eine transparente Preisgestaltung – etwa über Pauschalen für die Achsvermessung und separate Abrechnung der Kalibrierung.

Technik, Systeme und rechtliche Aspekte

Herth + Buss stellte verschiedene Kalibrierlösungen vor – vom manuellen Basismodell bis zur vollautomatisierten High-End-Variante. Deutlich wurde: Es gibt keine herstellerübergreifende „All-in-One“-Lösung. Die Systeme müssen exakt auf Fahrzeugtyp und Sensorik abgestimmt werden. Derzeit existieren keine offiziell freigegebenen Multimarken-Systeme – rechtliche Sicherheit entsteht nur durch sorgfältige Dokumentation.

Fördermöglichkeiten und Schulungsbedarf

Für Investitionen in Kalibriertechnik können Förderprogramme wie der Digitalbonus in Anspruch genommen werden. Schulungsbedarf besteht nicht nur bei Technikern, sondern auch bei Serviceberatern und Betriebsleitern – vor allem im Hinblick auf Kundenkommunikation und Risikobewusstsein.

Fazit: Jetzt handeln

Der Werkstatt-Stammtisch zeigte: Die Kalibrierung von ADAS ist eine Herausforderung – technisch, wirtschaftlich und kommunikativ. Doch mit der richtigen Strategie, geeigneter Ausrüstung und gezielter Weiterbildung können freie Werkstätten dieses Zukunftsfeld erfolgreich für sich erschließen. Auf Wunsch der Teilnehmer wird das Thema in kommenden Veranstaltungen erneut vertieft.

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