Fahrerlaubnis · Wissenswertes

Führerschein B, BE und B96: Was Sie ziehen dürfen

Bei der Anhängerfrage scheitert es selten am Wissen, sondern an der Rechnung. Hier stehen die Grenzen, ein durchgerechnetes Beispiel und die drei Werte aus dem Fahrzeugschein, die regelmäßig verwechselt werden.

Die drei Klassen im Überblick

Die Rechnung: was darf an den Haken

Gerechnet wird mit der zulässigen Gesamtmasse, nicht mit dem tatsächlichen Gewicht. Das ist der Punkt, an dem die meisten falsch liegen: Ein leerer Anhänger mit 1.500 kg zulässiger Gesamtmasse zählt mit 1.500 kg, auch wenn nichts drin ist.

BeispielZugfahrzeug zGMAnhänger zGMSummeNötig
Kombi + kleiner Kastenanhänger2.100 kg750 kgB (750-kg-Regel)
Kombi + Pferdeanhänger2.100 kg1.400 kg3.500 kgB – gerade noch
SUV + Wohnwagen2.500 kg1.500 kg4.000 kgB96
Transporter + Baumaschinenanhänger3.100 kg1.300 kg4.400 kgBE
Pkw + schwerer Bootstrailer2.000 kg2.500 kg4.500 kgBE

Die Werte stehen in der Zulassungsbescheinigung Teil I: Feld F.1 beim Zugfahrzeug, Feld F.1 beim Anhänger.

Stützlast, Anhängelast, Achslast – die drei Werte

Die Führerscheinklasse sagt, was Sie fahren dürfen. Ob das Fahrzeug es technisch darf, steht auf einem anderen Blatt – und dort stehen drei verschiedene Zahlen, die regelmäßig durcheinander geraten.

Für die Werkstatt: Im Annahmegespräch vor einer Anhängerkupplungs-Montage lohnt der Blick auf O.1, die Stützlast und die Fahrerlaubnis des Kunden. Drei Zahlen, zwei Minuten – und die Reklamation nach der ersten Verkehrskontrolle bleibt aus.

B96 oder BE – was lohnt sich

Wer regelmäßig zwischen 3.500 kg und 4.250 kg unterwegs ist, fährt mit B96 günstiger und schneller: eine Schulung an einem Tag, keine Prüfung, keine Wartezeit auf einen Prüftermin. Wer schwerere Anhänger zieht oder sich die Option offenhalten will, braucht BE – und damit eine praktische Prüfung.

Ein praktischer Hinweis: B96 ist an das Gespann gebunden, nicht an den Anhänger allein. Wer heute einen 1.300-kg-Wohnwagen zieht und später auf 2.000 kg wechselt, landet trotz B96 wieder bei BE. In dem Fall ist BE von Anfang an die günstigere Entscheidung.

Klasse B und schwere Elektrofahrzeuge

Alternativ angetriebene Fahrzeuge dürfen mit Klasse B bis 4.250 kg gefahren werden, wenn das Mehrgewicht gegenüber 3.500 kg aus dem Antriebssystem stammt, das Fahrzeug der Güterbeförderung dient und ohne Anhänger gefahren wird. Bei schweren E-Transportern entscheidet das darüber, ob der Kunde sein Fahrzeug überhaupt bewegen darf – und die Ausnahme greift eben nicht, sobald ein Anhänger dranhängt.

Häufige Fragen

Die zulässige Gesamtmasse. Ein leerer Anhänger mit 1.500 kg zulässiger Gesamtmasse zählt mit 1.500 kg, auch wenn er unbeladen ist. Das tatsächliche Gewicht spielt nur für die Einhaltung der Anhängelast und der Achslasten eine Rolle.

Sieben Zeitstunden an in der Regel einem Tag: Theorie, Grundfahraufgaben und eine Fahrt im öffentlichen Verkehr. Eine Prüfung gibt es nicht, die Fahrschule bescheinigt die Teilnahme.

Nein. Anhänger bis 750 kg zulässiger Gesamtmasse dürfen mit Klasse B immer gezogen werden, unabhängig vom Gewicht des Zugfahrzeugs. Die technischen Grenzen des Fahrzeugs – Anhängelast und Stützlast – gelten trotzdem.

Die Stützlast ist die Kraft, die senkrecht auf der Kupplungskugel lastet, üblicherweise 50 bis 100 kg. Sie steht am Typschild der Anhängerkupplung und in der Zulassungsbescheinigung. Wenn beide Werte abweichen, gilt der kleinere.

Ja. B96 wird als Schlüsselzahl 96 im Führerschein eingetragen und ist EU-weit anerkannt. Das unterscheidet sie von der Schlüsselzahl B196 für Leichtkrafträder, die nur in Deutschland gilt.

Nur wenn die Kombination aus Zugfahrzeug und Anhänger zusammen 4.250 kg nicht überschreitet. Bei einem Zugfahrzeug mit 2.500 kg zulässiger Gesamtmasse wären das 4.500 kg – dafür ist BE nötig.

Hinweis: Allgemeine Orientierung, keine Rechtsauskunft. Verbindlich sind die Eintragungen in Ihren Fahrzeugpapieren und die Auskunft der Fahrerlaubnisbehörde.